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Gedichte & Liedtexte
Klinisches Elfengedicht oder was man so schreibt, wenn man Weihnachten im Krankenhaus liegt...

Ein feuchttrüber Hauch hüllt die Aussenwelt ein
Und schwarz scheint jedes Gebäude
Vom Klinikgehöft hörst Du`s zetern und schrei`n
In selbstverliebt –taumelnder Freude.

Es leuchten zum Klappern der Schuhe und Kannen
Die Schatten gigantischer Länge
Noch eilen die Schwestern mit Spritzen und Pfannen
Geschäftig über die Gänge.

Doch eines Minuts dringt der tollkühne Klang
Empor an dem nassen Gemäuer
Entfacht mit dem schauernden Elfengesang
Im Herzen ein schwelendes Feuer.

Und endlich gerinnt das geschäftige Fließen
Zum Fenster kommt jeder gerannt.
Die tanzenden Elfen zu begrüßen
Auch Zwölfen wurden erkannt.

Mitten ins Herz geschaut

Michelländerherzen schlagen
leidenschaftlich im Verein
Wenn sie ihre Kappen tragen
Können sie nicht gleicher sein.

Gleichermaßen gehn die Uhren
Selbst im jahresgleichen Takt
Fliegen sie zu den Azuren
Baden äußerst selten nackt.

Streit ums Härchen in der Suppe
Fechten sie juristisch aus
Artenschutz ist ihnen schnuppe
Doch sie kehren vor dem Haus.

Und wenn sie in einer Sendung
Hörn und sehn was Mode ist
Nimmt ihr Leben eine Wendung
Einer sich am andern misst.

Wenn sie die Geschicke lenken
Mit perfekter Medienmacht
Werden Leut, die anders denken
Präventorisch überdacht.

Glaubst Du wohl daß dies Gedicht
Daß ich Dir geschrieben hab
Von vergangnen Tagen spricht
...alles spielt sich heute ab!

Hommage einer Musikerin an Friederike Kempner

Mit Eleganz und klarer Strenge,
Kraftvoll schön und unvermählt,
Ein Teilchen, doch in großer Menge,
Trat ein Rhythmus in die Welt.

Und er hörte viele Stimmen,
Sah der Bäche wirren Pfad
Höllisch durcheinanderschwimmen,
Alles aufeinandertrat.

Und mit weitgeholtem Schwung
Teilte er sich selber aus
Brachte endlich Linderung.
Trieb der Welt das Chaos aus.

Und man sah in aller Gänze:
Jedes Ding hat seine Zeit.
Hat das Leben eine Grenze,
Sind wir eigentlich befreit.

Da die Herzen rhythmisch schlagen,
Kommt am Lebensend der Tod,
Können uns die Wellen tragen,
Färben sich die Adern rot.

Er beherrscht die Offiziere
Gibt den Musen ein Gewand
misst den Fortbestand der Tiere
teilt mit unsichtbarer Hand.

Ob es Wesen, ob es Dinge
Rhythmus ist der Bräutigam
Erst in eines Taktes Schwinge
Alles Harmonie bekam.

Selbst in heißer Lust – Verschwendung
Schmelzen Liebende im Takt
Bringen wiegend zur Vollendung
Nach dem Spiel den Liebesakt.

Dass der Ringelnatz nicht so traurig endet...

Ein männlicher Briefmark erlebte
was Schönes, bevor er klebte.
Er ward von einer Prinzessin beleckt
Da war in ihm die Liebe geweckt.
Er wollte sie wiederküssen,
Da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens
Das ist der Lauf des Lebens

Kam aber neben
Einer Briefmarke zu kleben
Verliebte sich postwendend in
Seine schöne Nachbarin
Blieb unentwegrt ihr an den backen
Verliebte sich in ihre Zacken
Schlossen so den Bund des Lebens
Dieses ist der Lauf des Klebens.

Hexentarantella

Hoch zu Besen sie kommen geritten und haschen die Seelen der sterblichen Leute.
Wetzen und schärfen die Messer und werfen die Schlingen nach ihrer verzweifelten Beute
Schmieden mit Sprüchen den giftigen Reim, beißen die Flüchtigen herzhaft ins Bein
Tanzen und singen bei Nebel und Nacht, greischen entsetzliche Schreie der Macht
Und dann drehen sie die Zehen nach dem Westen mit geiferndem Blick
Und sie ziehen mit Geschrei an der fliehenden Menge vorbei.
Zischen böse mit Getöse immer näher, hin und her in lustvoller Wut die Brut

Seht schon brennen die Häuser und Gassen, Orakel und Flüche durchdringen die Luft
Zündelnde Fackeln erhellen die Strassen, Schimmel und Moder entweicht aus der Gruft
Gräber hebt`s aus zu all diesem Graus, steigen die Toten vom Sarge heraus
Brechen die Türen der Schlafenden auf, Beifall begleitet den teuflische Lauf.
Hascht sie, jagt sie mit dem Seile, fangt sie ein und beißet zu
Tempo, tempo nicht verweile, treibt sie ohne Rast und Ruh
… du und du…. Augen zu und ewige Ruh….
Gräber hebts aus und zu all diesem Graus steigen die Toten vom Sarge heraus
Brechen die Türen der Schlafenden auf, Beifall begleitet den teuflischen Lauf.
Hexenzaubersong, mit entsetzlichem Tosen
Ja Hexenzaubersong unter leuchtendem Mond
Ja Hexenzaubersong wie die Dornen der Rosen
Ja Hexenzaubersong, da bleibt keiner verschont.
Grinsende Fratzen umsäumen den Kessel voll schleimiger Klumpen und leichem Sektret.
Fingerhut, Fliegenpilz Tollkirsch und Nessel besiegeln das tödliche geife Gebet.
Bläulicher Rauch steigt zum Himmel empor, in schmieriger Suppe schwimmt einsam ein Ohr,
Und hinter diesem schwimmt noch eine Hand, Grüne Gedärme umsäumen den Rand.
Und es donnert und es kracht, gleißende Blitze durchzucken die Nacht
Und gespenstig heult der Wind, bis das Blut im Leibe gerinnt.
Und es röchelt und köchelt immer heisser rot und schwer brodelt voll Glut das Blut

Seht nun röcheln sie alle am Boden und geben ein fürchterlich-schauriges Bild.
Plötzlich ruft laut eine Stimme : "wiesodenn",
und dann eine zweite brüllt tierisch und wild:
"Da einer lebt noch und ist weggerannt!"
greift nach den Fersen mit knöcherner Hand
schlägt –einszweidrei- das Genick ihm entzwei, trällert ein lustiges Liedchen dabei.
Ja wir mischen mit Vergnügen Rattengift ins Gulasch rein
Manchmal spielen wir sezieren amputieren Arm und Bein.
Soll er auf den Scheiterhaufen woll`n wir ihm die Haut abziehn
Soll er lieber Säure saufen, oder tödlich sich verbrühn?
Keiner unsrer Macht entkommt, wer uns trifft, muß sterben promt
Hokuspokus fidibus, und er kriegt den Gnadenkuß.
Schmeiß den Fön ins Wasserbad, flechte, flechte ja flechte ihn grad ---- aufs Rad!
Hexenzaubersong…..
Einbetonieren, ersticken, verbiegen erhängen erdrosseln ertränken im Pool
Heißa der/ die Kerl`s ist/ sind nicht unterzukriegen, wir setzen ihn/ sie auf den elektrischen Stuhl.
Zähne gefletscht und die Finger gequetscht, und ihn erschießen und Pech drübergiessen
Helfe ihm/ ihnen ja keiner aus seiner/ ihrer Not, den sonst ist er selber tot, tot, tot!

...Einmal James Joyse sein

Mit letzter Quaft
Und wenig Saft
(Den habe ich an dich vergorn)
Muß ich grämsig mich erheben
Und zum Prüro übergeben
Meine Seele
Kriecht Dir zu
Habe stundlich keine Ruh
Träumte heiße Triebestakte
Deine Haut ganz irre schmackte
„Liebstling tretst du in die Ferne“
Flötst du mit gekrauster Sterne
Ekelst Dich ins Kissen ein
Schlingerst bloß dein endlos Bein
Flutscht die Drecke auf den Hoden
Prachtvoll glanzt dein Hosenboden
Und ich späh dies dralle Rund
Ahne deines Dunkels Schlund
Möchte ein - und untertauchen
Warm und feuchtlich tieferkrauchen
Denn was schwert mich diese Welt
Wenn mich Triebeskummer quält
Wenn mein grasend Freudenspender
Hitzig Gipfelpunkte zählt?
Wenn wir Schlund in Schlund versunken
Und in geifem Naß ertrunken
Rhythmisch wiegend Glieder schwingen
Luschterbebte Klänge singen
Dann ist alles mir legal
Jede Stumme ich bezahl
Hab ich keinen Seelenschmaus
Grein ich mir die Zaugen aus
Habe früher dich vermißt
Wunder Du was bares bist
Solln sie mich doch hochkant feuern
Allen will ich mich vermäuern
Schweißegal ich bleibe liegen
Sollt ich auf die Strasse fliegen
Ja ich schwöre leidendlich
Lebenslänglich blieb ich nich!

Vorsicht im Chiffreverkehr!

Wenn per Zeitungsinserat
Sich ein Paar gefunden hat
Ist davor massiv zu warnen
Daß die Suchenden sich tarnen.
Nicht so stürmisch, denn Ihr wisst
Wie geduldig Tinte ist.
Darum bremst den Herzensdrang
Wenigstens paar Tage lang
Bis sie wenigstens verschwommen
Sich in Augenschein genommen.
Sollt die Seele doch verschonen
Vor zu vielen Illusionen
Schnell ist unsre Fantasie
Durch der Briefe Poesie
An-und wir sind aufgeregt
Bis sich dieser Zustand legt
Weil die wirkliche Gestalt
Runzelnasig ist und alt.

Antwort auf Villon`s Klempterfrau

Ach ist doch aller Anfang schwer
Auch heiß ich nicht Francois Villon
Wenn ich nicht so am Ende wär
So schriebe ich kein Feulleton.

Wie hab die Frauen ich verehrt
Die Schlanken und die Schönen
Die Lippen und den Leib begehrt
Sie ließen sich verwöhnen.

Und wenn die Zungen und die Häute
Sich leidenschaftlich rieben
Ich nahm die Weiber wie Beute
Sie aber wollten lieben.

Die Haut war wie ein Zelt gespannt
Und glänzte wie im Regen
Und jede ist mir nachgerannt
Der Muskelspiele wegen.

Und Jahre hab ich nichts gespürt
Denn schleichend kam das Alter
Ganz langsam hats mich degradiert
Zum greisen Clubverwalter.

Die Brauen hängen überm Lid
Und hängen tut der Wanst
Und stillgelegt erscheint mein Glied
Hat drunter sich verschanzt.

Es hängt die Unterlippe schwer
Die dürre Schulter auch
Und meine Zunge ist nur mehr
Zum Schwätzchen in Gebrauch.

Wie klingt jetzt meine Stimme fad
Und graugefleckt und gräuslich
Erscheint mein welkes Inkarnat
Ach erst mein Gang, wie scheußlich.

Vom schwarzen Lockenhaupthaar ist
Ein weißes nur geblieben.
Und Karies die Zähne frisst
Der Schmelz ist abgerieben.
Den Sinn des Alterns kann ich Dir
Beim Herrgott nicht erklären
Doch sollt Dein sehnsuchtsvolles Herz
Nach Liebe sich verzehren

So hat das Klagen einen Sinn
Los, raff Dich au f zu mir
Weil nicht so gut zu Fuß ich bin
Sonst liefe ich zu Dir

Und jetzt will ich die Augen schließen
wunderschön bist Du
Und wider jedes bessre Wissen
Drück auch Du sie zu.

Copyright 2019 Claudia Dylla